{"id":298,"date":"2012-04-15T15:26:41","date_gmt":"2012-04-15T13:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/mr-spaceartist.com\/painter\/?p=298"},"modified":"2012-11-07T15:32:49","modified_gmt":"2012-11-07T14:32:49","slug":"e-mail-interview-mit-dem-musiker-stephen-parsick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mr-spaceartist.com\/painter\/e-mail-interview\/e-mail-interview-mit-dem-musiker-stephen-parsick\/","title":{"rendered":"E-Mail Interview mit dem Musiker Stephen Parsick"},"content":{"rendered":"<p>Stephen Parsick ist K\u00fcnstler, seine Ausdrucksform ist die elektronische Musik. 1996 gr\u00fcndete er die Band [\u00b4ramp]. 1998 ver\u00f6ffentlichte er sein erstes Solo Album &#8220;Traces of the Past&#8221;. Im selben Jahr erschien bei Mario Schonwalders Manikin Records das erste [\u00b4ramp] Album mit dem Titel &#8220;nodular&#8221;. Von 1998 bis 2002 arbeitete Parsick mit Klaus Hoffmann-Hoock. Auch spielte er zeitweise in den Bands &#8216;Cosmic Hoffmann&#8217; und &#8216;Mind over Matter&#8217;.<br \/>\n<a title=\"Homepage von Stephen Parsick\" href=\"http:\/\/www.parsick.com\/\" target=\"_blank\">Stephen Parsick<\/a>, Jahrgang 1972, hat sich als Musikproduzent und Sound Designer einen Namen gemacht. Sein Musikstil ist als &#8216;Dark Ambient&#8217; bekannt geworden und sticht aus dem von Plattenfirmen und Medienkonzernen produzierten Einheitsbrei heraus.<\/p>\n<p><strong>Gleich zu Beginn unseres Email-Interviews stelle ich Dir die Frage aller<br \/>\nFragen: wie kamst Du dazu elektronische Musik zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe zum ersten Mal diese Musik geh\u00f6rt, als ich noch in den<br \/>\nKindergarten ging. Irgendetwas daran hat mich einfach umgehauen, und als<br \/>\nich das erste Mal Jarres &#8220;Oxygene&#8221; h\u00f6rte, wu\u00dfte ich, da\u00df ich auch sowas<br \/>\nmachen wollte. Diese Kl\u00e4nge haben einfach ganz tief in mir eine Saite<br \/>\nber\u00fchrt, und die hat seither nicht mehr aufgeh\u00f6rt, zu schwingen. Sp\u00e4ter<br \/>\nlernte ich dann die Musik von Klaus Schulze und Tangerine Dream kennen,<br \/>\nund bei Schulze dachte ich das erste Mal &#8220;Das kannst Du auch, der spielt<br \/>\nja genauso schlecht wie Du!&#8221; Davor hatte ich nur so Zeug wie Tomita und<br \/>\nWendy Carlos geh\u00f6rt, die ja diesen ganzen klassischen Kanon rauf- und<br \/>\nruntergespielt haben &#8212; und mit klassischer Musik wollte ich nichts zu tun<br \/>\nhaben, weil die Formalismen, die ihr zugrunde liegen, meinen Geist viel zu<br \/>\nsehr in eine bestimmte Richtung gezw\u00e4ngt h\u00e4tten. Gerade diese stilistische<br \/>\nFreiheit, die einem die nicht-akademische elektronische Musik er\u00f6ffnet,<br \/>\nfinde ich sehr spannend und befreiend: Ich mu\u00df mich nicht um \u00fcber<br \/>\nJahrhunderte hin wie heilige K\u00fche tradierte Formalismen scheren, sondern<br \/>\nkann einfach die Musik entstehen lassen und wom\u00f6glich selbst einen Stil<br \/>\nschaffen. Von dieser Warte aus betrachtet finde ich die freiwillige<br \/>\nstilistische Einengung, die heute viele Macher von EM auf sich nehmen,<br \/>\nv\u00f6llig kontraproduktiv und im Grunde sogar sch\u00e4dlich f\u00fcr den<br \/>\nUrsprungsgedanken &#8212; da ist endlich eine Musik, die einem alle Freiheiten<br \/>\ngibt, und sie tauschen diese Freiheit aus Mangel an Disziplin oder Angst<br \/>\nvor eben der Freiheit gegen eine formale Einengung ein. Das hat mehr etwas<br \/>\nvon Anbiederei an andere Stile und Szenen als vom Finden einer eigenen<br \/>\nAusdrucksform.<\/p>\n<div id=\"attachment_2534\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4571_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2534\" class=\" wp-image-2534\" title=\"Stephen Parsick im Foyer des Planetarium Bochum\" src=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4571_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008.-300x450.jpg\" alt=\"Stephen Parsick im Foyer des Planetarium Bochum\" width=\"300\" height=\"450\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2534\" class=\"wp-caption-text\">Der Musiker Stephen Parsick im Planetarium Bochum<\/p><\/div>\n<p><strong>Viele Menschen glauben immer noch, dass Musiker das Leben eines Boh\u00e9miens<br \/>\nf\u00fchren. Wie sieht Dein Arbeitsalltag als K\u00fcnstlers wirklich aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann von meiner Musik nicht leben, und jede neue Produktion lebt vom<br \/>\nErfolg der vorhergehenden; wenn ein Album sich schlecht verkauft und die<br \/>\nProduktionskosten nicht wieder einspielt, steht es schlecht um die<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung des n\u00e4chsten Albums. Im Idealfall tr\u00e4gt die Musik sich<br \/>\nselbst &#8212; oder es geht halt gar nichts. Ich arbeite daher hauptberuflich<br \/>\nals Fremdsprachendozent bei diversen Bildungstr\u00e4gern in Ostwestfalen und<br \/>\nim s\u00fcdlichen Niedersachsen, um die Br\u00f6tchen zu verdienen und die Miete zu<br \/>\nbezahlen. Ich halte es hier mit <a title=\"Eintrag zu Tommi Stumpff in der Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tommi_Stumpff\" target=\"_blank\">Tommi Stumpff<\/a>, der mal so sch\u00f6n sagte, da\u00df<br \/>\njemand, der nicht bereit ist, f\u00fcr seine Kunst zu hungern oder einen<br \/>\nzweiten Job anzunehmen, auch nichts zu sagen hat.<br \/>\nDas einzig Bohemische, das ich bis dato erlebt habe, ist, da\u00df ich meine<br \/>\nArbeitszeit etwas freier gestalten und besser meinem eigenen<br \/>\nLebensrhythmus anpassen kann. Wer aber glaubt, da\u00df Kunst ein Freibrief<br \/>\nist, um auf der faulen Haut zu liegen, der irrt sich gewaltig &#8212; das gilt<br \/>\nallenfalls f\u00fcr Leute, die von einem famili\u00e4ren Speckpolster zehren k\u00f6nnen,<br \/>\ndas sich andere f\u00fcr sie angefressen haben. Und im Gegensatz zur immer noch<br \/>\nweitverbreiteten Auffassung, bei elektronischer Musik m\u00fcsse man nur auf<br \/>\neinen Knopf dr\u00fccken und dann macht sie sich von alleine, mu\u00df man<br \/>\ndiszipliniert arbeiten, um am Ende ein Resultat zu bekommen &#8212; das kommt<br \/>\nnicht von nichts. In erster Linie ist Kreativsein harte Arbeit und sehr<br \/>\nviel Disziplin; wenn Du anf\u00e4ngst, selbstgef\u00e4llig zu werden oder das<br \/>\nMittelma\u00df als Eichma\u00df f\u00fcr Dein Handeln akzeptierst, dann hast Du im<br \/>\nPrinzip schon verloren, weil dann die Motivation, sich selbst verbessern<br \/>\noder entwickeln zu wollen, schon verflogen ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_2536\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4551_Konzert_Parsik_Planetarium_Bochum_2008..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2536\" class=\"size-medium wp-image-2536\" title=\"Planetarium Bochum am Abend des 13. Dezember 2008.\" src=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4551_Konzert_Parsik_Planetarium_Bochum_2008.-300x450.jpg\" alt=\"Planetarium Bochum am Abend des 13. Dezember 2008.\" width=\"300\" height=\"450\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2536\" class=\"wp-caption-text\">Planetarium Bochum am Abend des 13. Dezember 2008.<\/p><\/div>\n<p><strong>Was ist die treibende Kraft f\u00fcr Deine Musik? Der sch\u00f6pferische Drang, die<br \/>\nInspiration?<\/strong><\/p>\n<p>Klaus Schulze sagte mal in einem Interview, da\u00df der Antrieb eines<br \/>\nK\u00fcnstlers darin liege, da\u00df er mit seiner Umwelt unzufrieden sei und er sie<br \/>\ndurch seine Arbeit verbessern wolle. Das ist vielleicht eine gute<br \/>\nUmschreibung, denn diese Unzufriedenheit mit dem Status Quo, den<br \/>\nbestehenden Verh\u00e4ltnissen vor allem in der Musikwelt ist bei mir definitiv<br \/>\nvorhanden, nur glaube ich nicht, durch meine Arbeit irgendetwas ver\u00e4ndern<br \/>\nzu k\u00f6nnen. Das ist aber keine Ausrede, um diese Arbeit nicht zu machen. Ob<br \/>\nsie jemals etwas bewegen wird, wei\u00df ich nicht. Diese Frage kann ich nicht<br \/>\nzur Grundlage meiner Entscheidungen machen.<br \/>\nEs gibt keine eindeutige Quelle, was die Inspiration angeht. Inspiration<br \/>\nkann aus einer Klangfarbe erwachsen, die ich bei einem Instrument gefunden<br \/>\nhabe, aus dem Zusammenwirken von mehreren musikalischen Kr\u00e4ften, aus<br \/>\nDingen, die um mich herum geschehen, oder ganz spontan aus dem Moment und<br \/>\neiner Eingebung heraus. Ich will das auch nicht weiter erkunden oder<br \/>\nverstehen, denn die Magie des Sch\u00f6pfungsaktes ist nur solange Magie,<br \/>\nsolange man sie nicht durch zuviele Fragen entzaubert. Die treibende Kraft<br \/>\nist f\u00fcr mich die Neugier, verstehen zu wollen, wie aus elektronischen<br \/>\nInstrumenten Musik geholt wird. Der sch\u00f6pferische Drang ist wahrscheinlich<br \/>\nam ehesten als Bestreben, mich selbst immer wieder verbl\u00fcffen und erfreuen<br \/>\nzu wollen, zu beschreiben. Aber, wie gesagt, ich versuche, das so wenig<br \/>\nwie m\u00f6glich zu reflektieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_2538\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4547_Konzert_Parsick_Planetarium_Bochum_2008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2538\" class=\" wp-image-2538\" title=\"Planetarium Bochum am Abend\" src=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4547_Konzert_Parsick_Planetarium_Bochum_2008-300x199.jpg\" alt=\"Planetarium Bochum am Abend\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/mr-spaceartist.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4547_Konzert_Parsick_Planetarium_Bochum_2008-300x199.jpg 300w, https:\/\/mr-spaceartist.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4547_Konzert_Parsick_Planetarium_Bochum_2008-624x415.jpg 624w, https:\/\/mr-spaceartist.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4547_Konzert_Parsick_Planetarium_Bochum_2008.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2538\" class=\"wp-caption-text\">Planetarium Bochum am Abend<\/p><\/div>\n<p><strong>An welchem Projekt arbeitest Du gerade?<\/strong><\/p>\n<p>Derzeit sitze ich an den Vorbereitungen zu meinem Konzert im Bochumer<br \/>\nPlanetarium, bei dem ich Material von der j\u00fcngsten [&#8216;ramp]-CD &#8220;return&#8221;<br \/>\nspielen werde sowie noch einiges an neuem Material, das erst noch geprobt<br \/>\nund in Form gebracht werden mu\u00df. Ferner habe ich noch ein paar Aufnahmen<br \/>\nhier liegen, an denen ich seit der Ver\u00f6ffentlichung von &#8220;return&#8221; arbeite,<br \/>\ndamit demn\u00e4chst vielleicht die neunte [&#8216;ramp]-CD erscheinen kann.<\/p>\n<p><strong>Der PC ist ein wichtiges Werkzeug f\u00fcr den K\u00fcnstler. Dazu kommt noch das<br \/>\nInternet. Diskussionsforen, Blogs und Webseiten wie musiczeit.com oder<br \/>\niapetus-store.com sind f\u00fcr viele unentbehrlich geworden. Wie stark nutzt<br \/>\nDu f\u00fcr Deine Arbeit das Internet?<\/strong><\/p>\n<p>Wenig. Ich bin zwar in einigen einschl\u00e4gigen Foren zu finden, in denen ich<br \/>\nWerbung f\u00fcr mich und meine Arbeit mache und auch gelegentlich dummes Zeug<br \/>\nschreibe, aber ich halte das Internet im Gro\u00dfen und Ganzen f\u00fcr eine<br \/>\nmassive Zeit- und Energieverschwendung. Es gibt Leute, die tausende von<br \/>\nFacebook-Freunden haben, und wenn sie eine neue Platte ver\u00f6ffentlichen,<br \/>\nkauft von diesen tausenden von Freunden vielleicht eine Handvoll die CD &#8212;<br \/>\nda rechtfertigt der Aufwand nicht den Nutzen. Was soll der Quatsch also?<br \/>\nIch mache mich daher lieber rar, als \u00fcberall durch st\u00e4ndige \u00dcberpr\u00e4senz<br \/>\nund Schaumschl\u00e4gerei aufzufallen &#8212; vielleicht die einzig m\u00f6gliche<br \/>\nStrategie, gewisserma\u00dfen eine Gegenbewegung zu dem, was alle anderen<br \/>\nmachen.<br \/>\nDer PC hat f\u00fcr mich nur die Funktion einer sehr flexiblen Tonbandmaschine,<br \/>\nmit der ich meine Arbeit produzieren kann. Man sollte diesen technischen<br \/>\nKr\u00fccken aber nicht mehr Raum geben, als sie ohnehin schon einnehmen, denn<br \/>\nzu schnell wird man von ihnen abh\u00e4ngig &#8212; und ich hasse nichts mehr, als<br \/>\neiner Abh\u00e4ngigkeit ausgeliefert zu sein. Ich w\u00fcnsche mir sogar manchmal,<br \/>\nich br\u00e4uchte nur eine akustische Gitarre und meine Stimme, um mich<br \/>\nausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen &#8212; ohne diesen ganzen Apparat, der immer eine<br \/>\nSteckdose braucht, um funktionieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2533\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4594_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2533\" class=\" wp-image-2533\" title=\"Stephen Parsick und Ina Parpart im Kuppelsaal des Planetarium Bochum\" src=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4594_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008.-300x450.jpg\" alt=\"Stephen Parsick und Ina Parpart im Kuppelsaal des Planetarium Bochum\" width=\"300\" height=\"450\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2533\" class=\"wp-caption-text\">Stephen Parsick und Ina Parpart im Kuppelsaal des Planetarium Bochum<\/p><\/div>\n<p><strong>K\u00f6nntest Du dir vorstellen einen eigenen Blog zu betreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Wof\u00fcr? Wen sollte es interessieren, was ich zu sagen habe? So ein Blog<br \/>\nkostet Zeit, Energie und Aufmerksamkeit, die ich lieber meiner Musik widme<br \/>\n&#8212; das, was ich zu sagen habe, versuche ich, durch meine musikalische<br \/>\nArbeit zu sagen. Mir ist es schon manchmal zuviel, Emails zu beantworten,<br \/>\nweil jeder jederzeit an jedem Ort verf\u00fcgbar geworden und am besten schon<br \/>\nalles vorgestern erledigt worden ist. Seit das Internet die Macht \u00fcber<br \/>\nunser Denken, F\u00fchlen und Handeln \u00fcbernommen hat, glaubt jeder, sein Senf<br \/>\nsei wichtig und m\u00fcsse unbedingt dazugegeben werden. Dabei ist das meiste<br \/>\neinfach nur Zeitverschwendung und h\u00e4tte genausogut nicht gesagt oder<br \/>\ngeschrieben werden k\u00f6nnen &#8212; wie wom\u00f6glich auch dieses Interview hier.<\/p>\n<p><strong>Wie ist Deine Meinung zu den &#8220;sozialen Netzwerken&#8221;, wie Facebook, Twitter,<br \/>\nStudiVZ, Xing, und dergleichen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich lehne sie von Grund auf ab und g\u00f6nne mir den Luxus, asozial zu sein.<br \/>\nF\u00fcr mich hat diese Bindung von Energien und Aufmerksamkeit schon fast<br \/>\netwas Faschistoides an sich. Da wird Menschen systematisch Energie und<br \/>\nLebenszeit abgezapft und ihr Denken, F\u00fchlen und Handeln an ein v\u00f6llig aus<br \/>\nder Kontrolle geratenes System gebunden &#8212; und alle machen begeistert mit<br \/>\nund lassen sich freiwillig all die sozialen Zw\u00e4nge aufb\u00fcrden, die diese<br \/>\nNetzwerke mit sich bringen! Da wird dann das Leben in einer Parallelwelt<br \/>\ngelebt, die nur aus virtuellen Freunden besteht, aber in der wirklichen<br \/>\nWelt geht man sich dann aus dem Weg und hat einander nichts mehr zu sagen<br \/>\n&#8212; aber davon eine ganze Menge!<\/p>\n<p><strong>Wir leben in einer sich immer schneller ver\u00e4ndernden Welt. Wie gehst Du<br \/>\nmit diesen Ver\u00e4nderungen um?<\/strong><\/p>\n<p>Ich versuche, mich bewu\u00dft zu entschleunigen, indem ich mich solchen<br \/>\nNetzwerken und Vereinnahmungen soweit es geht entziehe. In meinem Leben<br \/>\nhaben Apps, Smartphones, Handies, Internetflatrates, soziale Netzwerke,<br \/>\nComputerspiele oder das neueste Wii keinen Platz. Ich vermeide es auch,<br \/>\nmeine Zeit den Medien zu widmen. Das mag ein wenig weltfremd scheinen,<br \/>\naber ich denke, in der Welt geschieht nichts, was f\u00fcr mich wichtig w\u00e4re:<br \/>\nDie Welt geht auch unter, ohne da\u00df ich es mir live bei RTL ansehe. Wieso<br \/>\nsoll ich also meine Zeit mit Problemen verschwenden, die ich nicht zu<br \/>\nverantworten habe und f\u00fcr die ich keine L\u00f6sung kenne? Die Konsequenzen,<br \/>\ndie aus dem Handeln anderer f\u00fcr mich erwachsen, mu\u00df ich noch fr\u00fch genug<br \/>\ntragen, das reicht mir voll und ganz. Ich fokussiere mich stattdessen auf<br \/>\nmeine kreative Arbeit, weil ich damit keinen Schaden f\u00fcr die Welt<br \/>\nanrichte. Das Arbeiten mit der Art von Instrumenten, die ich verwende, ist<br \/>\nebenfalls etwas, das enorm entschleunigt, denn jede Note, jeder Klang mu\u00df<br \/>\neinzeln erschaffen werden, ohne da\u00df ein hypermodernes Computersystem<br \/>\ntausend und einen Trick auf einmal f\u00fcr mich erledigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_2535\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4557_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2535\" class=\" wp-image-2535\" title=\"Foyer des Planetarium Bochum\" src=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4557_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008.-300x199.jpg\" alt=\"Foyer des Planetarium Bochum\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/mr-spaceartist.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4557_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008.-300x199.jpg 300w, https:\/\/mr-spaceartist.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4557_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008.-624x415.jpg 624w, https:\/\/mr-spaceartist.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/IMG_4557_Konzert_Stephen_Parsik_Planetarium_Bochum_2008..jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2535\" class=\"wp-caption-text\">Foyer des Planetarium Bochum<\/p><\/div>\n<p><strong>Wenn Du einen Plan f\u00fcr die n\u00e4chsten, sagen wir, vier Jahre h\u00e4ttest, wie<br \/>\nw\u00fcrde der in etwa aussehen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberleben. Und vielleicht noch ein paar Platten machen, wenn ich darf.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrdest Du jungen Menschen raten, die gerade ihr Abitur\/Hochschulreife<br \/>\nerlangt haben und die vor der Entscheidung stehen ob Sie ein Studium<br \/>\nbeginnen oder in das Berufsleben einsteigen sollen?<\/strong><\/p>\n<p>Jeder mu\u00df seinen Weg f\u00fcr sich selbst finden und aus seinen eigenen<br \/>\nFehlentscheidungen und Irrt\u00fcmern lernen &#8212; dazu geh\u00f6rt auch, sie als<br \/>\nsolche zu erkennen und sie in Zukunft zu vermeiden. Von daher w\u00fcrde ich<br \/>\nniemandem einen Ratschlag geben, denn Ratschl\u00e4ge sind auch Schl\u00e4ge. Ich<br \/>\nglaube nur nicht, da\u00df die Welt nochmal hunderttausend angepa\u00dfte<br \/>\nBWL-Studenten braucht. Wir brauchen mehr Menschen, die Zeit ihres Lebens<br \/>\ndie bestehenden Verh\u00e4ltnisse infragestellen und vielleicht auch Impulse<br \/>\ngeben k\u00f6nnen, um sie zu ver\u00e4ndern. Bevor man also auf ein Studium<br \/>\nzur\u00fcckgreift, blo\u00df, weil man keine Perspektive findet oder nicht wei\u00df, was<br \/>\nman mit sich selbst anfangen soll, sollte man sich \u00fcberlegen, was man<br \/>\nimmer schon machen wollte &#8212; und dann versuchen, einen Weg zu finden, mit<br \/>\ndem man dieses Ziel erreichen kann. Das kann ein Studium sein, eine<br \/>\nk\u00fcnstlerische, handwerkliche oder kaufm\u00e4nnische Ausbildung &#8212; ein<br \/>\nallgemein g\u00fcltiges Patentrezept gibt\u00b4s da nicht. Das Einzige, das man<br \/>\nimmer einkalkulieren sollte, ist die M\u00f6glichkeit des eigenen Scheiterns &#8212;<br \/>\nwas wir am Ende sowieso alle tun, was hat man also zu bef\u00fcrchten?<br \/>\nScheitern geh\u00f6rt dazu, denn wie sonst w\u00fcrdest Du einen Erfolg bemerken<br \/>\nwollen?<\/p>\n<div id=\"attachment_2539\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Discography_Stephen_Parsick_ramp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2539\" class=\" wp-image-2539\" title=\"Diskografie von Stephen Parsick\" src=\"http:\/\/www.ralf-schoofs.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Discography_Stephen_Parsick_ramp-300x363.jpg\" alt=\"Diskografie von Stephen Parsick\" width=\"300\" height=\"363\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2539\" class=\"wp-caption-text\">Diskografie von Stephen Parsick<\/p><\/div>\n<p><strong>Gibt es einen Traum, den Du dir erf\u00fcllen m\u00f6chtest?<\/strong><\/p>\n<p>Ich versuche, mich und mein Handeln so wenig wie nur irgend m\u00f6glich von<br \/>\nTr\u00e4umen und W\u00fcnschen bestimmen zu lassen, denn die meisten Tr\u00e4ume sind und<br \/>\nbleiben nur das &#8212; Tr\u00e4ume, die unerreichbar bleiben. Aus der Unf\u00e4higkeit,<br \/>\ndieses idealisierte Ziel zu erreichen oder zu erkennen, da\u00df diese Tr\u00e4ume<br \/>\nmeist aus gutem Grunde unerreichbar bleiben, erw\u00e4chst f\u00fcr einen selbst<br \/>\nsehr viel Kummer und Frustration. Wenn \u00fcberhaupt, dann m\u00f6chte ich<br \/>\nweiterhin kreativ bleiben d\u00fcrfen und vielleicht noch das eine oder andere<br \/>\nInstrument auf die Musik, die darin schl\u00e4ft, ausloten k\u00f6nnen..<\/p>\n<p><strong>Zum Abschluss m\u00f6chte ich Dir eine ganz pers\u00f6nliche Frage stellen: was hast<br \/>\nDu vom Leben gelernt?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist zu kurz, um es mit Kompromissen zu vergeuden. Es ist zu kurz, um es<br \/>\nmit Menschen zu vergeuden, die mir nur dumm im Weg rumstehen, meine Arbeit<br \/>\nals Vehikel f\u00fcr ihre eigene Eitelkeit benutzen wollen oder mich davon<br \/>\nabhalten, den Weg, den ich mir ausgesucht habe, mit aller Konsequenz zu<br \/>\nbeschreiten. Das Leben endet Minute um Minute, und man sollte diese<br \/>\nMinuten nicht leichtfertig mit Dingen, die schlu\u00dfendlich ohne Bedeutung<br \/>\nsind, verschwenden. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch die Erkenntnis, was f\u00fcr<br \/>\neinen selbst wirklich von Bedeutung ist und was nicht.<br \/>\nWenn sich das Leben v\u00f6llig unerwartet dergestalt ver\u00e4ndert, da\u00df man das,<br \/>\nwas einem eigentlich wichtig ist, nicht mehr machen kann, hilft einem das<br \/>\nganze Gejammere um die Zeit, wo man es noch h\u00e4tte tun k\u00f6nnen, nichts. Wenn<br \/>\nDu es jetzt nicht machst, wirst Du es wahrscheinlich niemals mehr machen<br \/>\nk\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephen Parsick ist K\u00fcnstler, seine Ausdrucksform ist die elektronische Musik. 1996 gr\u00fcndete er die Band [\u00b4ramp]. 1998 ver\u00f6ffentlichte er sein erstes Solo Album &#8220;Traces of the Past&#8221;. Im selben Jahr erschien bei Mario Schonwalders Manikin Records das erste [\u00b4ramp] Album mit dem Titel &#8220;nodular&#8221;. Von 1998 bis 2002 arbeitete Parsick mit Klaus Hoffmann-Hoock. 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